Sichere Lagerung von Lithium-Ionen Akkus

Lithium-Ionen Akkumulatoren sind eine vergleichsweise junge Technologie. Doch seit ihrer Markteinführung Anfang der 90er Jahre haben sie den Markt für Energiespeicher nachhaltig geprägt und alte Technologien nach und nach verdrängt. Heute sind Lithium-Akkus nicht mehr aus unserem Alltag wegzudenken – und das aus gutem Grund: Sie sind besonders klein und effizient und daher für eine Vielzahl von Anwendungen interessant. Nicht nur Smartphones und Tablets beziehen ihre Energie aus Lithium-Zellen; auch im Bereich Elektromobilität spielen sie eine wichtige Rolle. Lithium-Energiespeicher punkten hier unter anderem durch ihre hohe Energiedichte bei geringem Eigengewicht und einer schnellen Ladetechnik.

Die Kehrseite der Medaille: Immer wieder hört man von gefährlichen Vorfällen im Zusammenhang mit Lithium-Ionen Akkus. Keine Frage: Explosionen und Brände von Lithium-Ionen Akkus können verheerende Folgen haben, indem sie teure Folgeschäden verursachen oder im schlimmsten Fall Menschenleben kosten. Daher stellt sich nicht nur für Privatpersonen, sondern vor allem auch für Betriebe die dringende Frage nach einer möglichst sicheren Handhabung und Lagerung.

In unserem Praxis-Ratgeber werfen wir einen eingehenden Blick auf das Gefahrenpotenzial von Lithium-Energiespeichern und geben Ihnen einige wertvolle Tipps zur Schadenverhütung.



Funktionsweise eines Lithium-Ionen Akkus

Um die Gefährdungen durch Lithium-Energiespeicher beurteilen zu können, kann die Kenntnis um ihre Funktionsweise sehr hilfreich sein. Wichtig zu wissen: Es gibt nicht „den einen“ Lithium-Akku. Stattdessen existiert eine Vielzahl verschiedener Energiespeichersysteme, in denen Lithium in reiner oder gebundener Form verwendet wird. Grundlegend unterscheidet man in primäre (nicht wieder aufladbare) und sekundäre (wieder aufladbare) Lithium-Ionen Zellen. Im allgemeinen Sprachgebrauch sind in der Regel letztere gemeint, wenn wir von Lithium-Ionen Batterien oder besser von Lithium-Ionen Akkumulatoren sprechen.

Funktionsweise eines Lithium-Ionen Akkus

Ein Akkupack setzt sich je nach Leistung aus mehreren Zellen zusammen. Jede Lithium-Ionen Zelle besteht aus einer positiven und einer negativen Elektrode: der Anode und der Kathode. Zwischen ihnen befindet sich ein ionenleitender Elektrolyt. Dieser garantiert den Transport der Lithium-Ionen zwischen den Elektroden während des Lade- bzw. Entladevorgangs. Die bekannteste Form von Lithium-Energiespeichern sind die Lithium-Ionen Akkumulatoren, in welchen ein flüssiger Elektrolyt verwendet wird. Ein weiterer wichtiger Bestandteil ist der Separator. Er verhindert den direkten Kontakt zwischen Anode und Kathode und beugt somit einem Kurzschluss vor. Beim Entladen werden auf der Anodenseite Lithium-Ionen und Elektronen abgegeben. Die Elektronen fliessen durch den äusseren Stromkreis und verrichten die elektrische Arbeit. Gleichzeitig wandern die Lithium-Ionen über die Elektrolytflüssigkeit und durch den Separator hindurch zur Kathode. Beim Aufladen kehrt sich dieser Vorgang um.

Je nach System können der Aufbau und die verwendeten Materialien eines Lithium-Ionen Akkus variieren. Im Lithium-Polymer-Akkumulator wird der Elektrolyt in das Molekülgerüst einer Polymerfolie eingebunden. Dadurch kann auf den gesonderten Separator verzichtet werden. Lithium-Polymer-Energiespeicher können nur geringe Entladeströme abgeben. Allerdings erlaubt die Polymerfolie eine flache Bauform, weshalb solche Energiespeicher vor allem in Mobiltelefonen und Laptops Verwendung finden. Die Dünnschicht-Lithium-Zelle ist ein Energiespeicher, in dem der Elektrolyt durch ein ionen-leitfähiges Gas ersetzt wird. Dies ermöglicht den Einsatz von Lithiummetall und somit eine extrem hohe Energiedichte. Diese Technik ist derzeit ein wichtiger Teil der Lithium-Energiespeicher-Forschung.


Chemische Eigenschaften

Grundlegend lässt sich eine Lithium-Batterie in Anode, Elektrolytflüssigkeit und Kathode gliedern.

Als Anodenmaterial wird in der Regel Graphit (C) verwendet, welches gemäss CLP-Verordnung nicht kennzeichnungspflichtig ist.

Bei der Kathode kommen viele unterschiedliche Stoffe zum Einsatz. Die genaue Zusammensetzung des Kathodenmaterials bestimmt massgeblich Eigenschaften wie Lebensdauer, Ladezeiten und Leistungsfähigkeit. In der Kathode werden häufig Eisen, Mangan, Kobalt oder Nickel eingesetzt.

Die Elektrolytflüssigkeit besteht aus einem organischen Lösungsmittel und einem Leitsalz. Während es eine grosse Vielzahl an möglichen Lösemitteln gibt, wird als Leitsalz fast ausschliesslich Lithiumhexafluorophosphat (LiPF6) eingesetzt.

Chemische Eigenschaften einer Lithium-Batterie

Elektrolytflüssigkeit = organisches Lösemittel + Leitsalz (LiPF6)

Welche genaue chemische Zusammensetzung das jeweilige Lösemittelgemisch aufweist, ist im Regelfall Herstellergeheimnis. Durch die Sichtung diverser Datenblätter lässt sich jedoch ein Überblick über die verwendeten Bestandteile gewinnen. Die Flammpunkte der Lösemittel-Bestandteile bewegen sich in einem Rahmen von +160°C bis teilweise unter 0°C. Dadurch lässt sich die thermische Instabilität einer Lithium-Batterie erklären.

In dem Leitsalz ist u.a. Fluor (F) enthalten. Durch freiwerdende Flusssäure (HF) in unkonzentrierter Form können bei einer havarierten Lithium-Batterie verschiedene Gefährdungssituationen entstehen.


Gefahren im Umgang mit Lithium-Ionen Akkus

Hohe Sicherheitsstandards bei Serienprodukten

Bei den heutigen Fertigungsstandards sind Lithium-Akkus als vergleichsweise sicher anzusehen. So werden in der Regel bereits seitens des Herstellers verschiedene Sicherheitstests durchgeführt, bevor (Serien-)Produkte in den Verkehr gebracht werden. Zum Beispiel ist eine Beförderung von Lithium-Energiespeichern nur dann zulässig, wenn ein Testzertifikat nach UN 38.3 vorliegt. Zur Erlangung dieses Zertifikats müssen einige Versuchsreihen erfolgreich absolviert werden, bei denen die Akkus unter verschiedenen Transportbedingungen getestet werden. Dazu gehören:

  • Höhensimulation

  • Thermische Prüfung

  • Schwingung

  • Schlag

  • Äusserer Kurzschluss

  • Aufprall / Quetschtest

  • Überladung

  • Erzwungene Entladung

Da die Akkus bei solchen Tests bis über ihre Belastungsgrenzen hinaus beansprucht werden können, finden sie unter besonderen Sicherheitsvorkehrungen statt. Viele unserer Kunden führen zusätzlich eigene Testreihen durch, beispielsweise um die Sicherheit der Akkumulatoren in Verbindung mit ihren Produkten zu verifizieren. Dafür nutzen sie technische Raumsysteme von DENIOS als sichere Testumgebung.

Um die Sicherheit von Lithium-Ionen Akkus zu erhöhen, können Hersteller diese bereits auf Zellebene mit verschiedenen Sicherheitseinrichtungen ausstatten. Wird innerhalb der Zelle ein entflammbarer Elektrolyt eingesetzt, können zum Beispiel flammhemmende Additive beigefügt werden, um besseren Schutz zu gewährleisten. Auch eine crashsichere Unterbringung des Akkumulators in einem korrosionssicheren Gehäuse mit feuerhemmendem Schaum kann eine wirkungsvolle Massnahme sein.

Der "Thermal Runaway"

Trotzdem sollte man im Umgang mit Lithium-Ionen Akkus besondere Vorsicht walten lassen – denn immer wieder kommt es zu gefährlichen Bränden. Wenn etwas passiert, sind die Folgen oft verheerend. Die Gefahr ergibt sich aus der Bauweise des Akkus selbst. Wo Materialien mit hohen Energiedichten und hochentzündliche Elektrolyte zusammen kommen, bilden diese im wahrsten Sinne des Wortes eine brandgefährliche Mischung. Besonders gefährlich wird es immer dann, wenn eine Lithium-Batterie ihre gespeicherte Energie unkontrolliert abgibt. Denn sobald die entstehende Wärme den Schmelzpunkt des Seperators überschreitet, kommt es zu einer nicht mehr kontrollierbaren Kettenreaktion, dem gefürchteten „Thermal Runaway“ (thermisches Durchgehen).

Thermal Runaway

Die hohe Wärmeenergie führt dabei zunächst zu einer Verdampfung der Elektrolyflüssigkeit, wodurch zusätzliche Wärme und brennbare Gase entstehen. Steigt der Druck über einen gewissen Punkt an, werden die brennbaren Gase frei und bilden ein zündfähiges Gemisch mit der Luft – Flammen entstehen an der Aussenseite der Batterie. Bereits das thermische Durchgehen von nur einer Zelle genügt, um die benachbarten Zellen des Akkublocks so weit aufzuheizen, dass eine folgenschwere Kettenreaktion entsteht. Ist diese einmal in Gang gesetzt, dauert es nur wenige Minuten bis zum explosionsartigen Abbrennen des Akkus. Solche Brände mit Lithium-Ionen-Batterien lassen sich nur schwer beherrschen. Das Feuer breitet sich schnell aus. Der Feuerwehr bleibt oft nur, benachbarte Bereiche zu schützen.

Häufige Brandursachen

Im Normalbetrieb gilt das Benutzen von Lithium-Batterien als sicher. Doch dies gilt nur, solange jeder ordnungsgemässß mit ihnen umgeht. Werden Lithium-Ionen Akkus beispielsweise fehlerhaft gehandhabt oder gelagert, können sie ein erhebliches Sicherheitsrisiko darstellen. Auch werksseitige technische Defekte können nicht immer von vornherein ausgeschlossen werden.

Diese 3 Dinge sind besonders gefährlich:

Elektrische Überlastung
Elektrische Überlastung
Mechanische Beschädigung
Mechanische Beschädigung
Thermische Überlastung
Thermische Überlastung

Ein typisches Risiko im Umgang mit Lithium-Akkus ist tatsächlich ganz alltäglich: Nämlich das Auf- und Entladen. Eine elektrische Überlastung kann hier aus etlichen Gründen auftreten, z.B. durch die Verwendung eines falschen Ladegerätes. Aber auch in Folge einer Tiefentladung kann es zum Brandfall kommen. Sind Lithium-Ionen Akkus für längere Zeit nicht in Gebrauch, können sie sich vollständig entladen. Falsche Lagerbedingungen – zum Beispiel die Aufbewahrung ausserhalb der vom Hersteller empfohlenen Lagertemperatur –  können diesen Effekt begünstigen. Hier kommt es zur Zersetzung der Elektrolytflüssigkeit und in Folge dessen zur Bildung leicht brennbarer Gase. Wird anschliessend versucht, die tiefentladenen Lithium-Ionen Zellen wieder aufzuladen, kann die zugeführte Energie durch das Fehlen von Elektrolytflüssigkeit nicht mehr korrekt umgesetzt werden. Es kann zum Kurzschluss bzw. zum Brand kommen.

Bei der Handhabung von Lithium-Ionen Akkus besteht immer auch ein gewisses Risiko, diese zu beschädigen. Kollisionen mit Betriebsfahrzeugen, ein Sturz auf harten Boden oder Quetschen bei falschen Lagerbedingungen sind nur einige Beispiele für mechanische Beschädigungen. Werden Zellen in Folge dessen deformiert, kann das zu inneren Kurzschlüssen und zum Brand des Akkus führen. Auch können Verunreinigungen bei der Produktion der Zellen selbst nicht zu 100% ausgeschlossen werden. In seltenen Fällen kann es passieren, dass Partikel, die fälschlicherweise bei der Produktion in die Zelle gelangen, diese im Laufe der Zeit von innen schädigen. Auch hier können dann innere Kurzschlüsse auftreten.

Externe Wärme- oder Energiequellen können Lithium-Akkus aufheizen und so durch thermische Überlastung zu einem Brand führen. Typische Gefahrenquellen sind zum Beispiel offenes Feuer, heisse Maschinenteile oder eine Lagerung unter direkter Sonneneinstrahlung.

Generell gilt: Das Gefährdungspotential von Lithium-Ionen Akkus steigt, je mehr Energie die verwendeten/gelagerten Akkus speichern können und je grösser die Menge ist, die gelagert wird. Dies, sowie Ihre individuellen betrieblichen und baulichen Gegebenheiten, Prozesse und organisatorische Randbedingungen sollten immer im Einzelfall im Rahmen einer Gefährdungsbeurteilung bewertet werden.


Massnahmen zur Schadenverhütung

Aufgrund der Vielzahl unterschiedlicher Batterietypen ist es aktuell nicht möglich, allgemeingültige Aussagen zu geeigneten Schutzmassnahmen und -konzepten zu treffen. Eine Einzelfallbetrachtung ist daher in jedem Fall erforderlich. Es empfiehlt sich eine Kooperation mit Feuerwehren, Sachversicherern und Zulassungsstellen zur  Erarbeitung eines ganzheitlichen Schutzkonzeptes für Ihre individuelle Lagersituation. Als Experten in Sachen Gefahrstofflagerung stehen selbstverständlich auch wir Ihnen gerne zur Seite. Sprechen Sie uns einfach an! 

Herstellerinformationen

Grundsätzlich gibt Ihnen der Hersteller allgemeine Hinweise zur sicheren Handhabung und Lagerung seiner Produkte – zum Beispiel zu den optimalen Betriebs- und Lagertemperaturen. Diese Vorgaben, die Sie üblicherweise in den Betriebsanweisungen und/oder Sicherheitsdatenblättern finden, sollten unbedingt eingehalten werden. Die Hersteller sind zudem verpflichtet, über die in ihren Produkten enthaltenen Stoffe und deren Auswirkungen auf die Umwelt und die menschliche Gesundheit zu informieren. Hieraus können Sie ebenfalls Schlüsse für Ihre Gefährdungsbeurteilung ziehen.

Einteilung in drei Leistungsklassen

Lithium-Energiespeicher können in drei verschiedene Leistungsklassen eingeteilt werden: Lithium-Batterien geringer Leistung, mittlerer Leistung und hoher Leistung. Dazu werden allgemein geltende sowie je nach Leistungsklasse spezifische Sicherheitsregeln für deren Lagerung angegeben. Einen Überblick bietet Ihnen die folgende Infografik:

Lithium-Energiespeicher in drei Leistungsklassen einteilen

Fachmedien und -publikationen

Nicht nur die Tagespresse beschäftigt sich mit den Sicherheitsaspekten rund um das Thema Lithium-Energiespeicher. Aufgrund der anhaltenden Aktualität veröffentlichen auch immer wieder Fachmedien entsprechende Artikel. Wir haben für Sie recherchiert und die gängigsten Hinweise und Tipps für den Umgang mit Lithium-Akkus für Sie zusammengefasst.

Generell wird empfohlen, Lithium-Energiespeicher wie einen Gefahrstoff zu behandeln und den Umgang entsprechend zu gestalten, d.h. eine Gefährdungsbeurteilung durchzuführen, geeignete Massnahmen daraus abzuleiten, spezifische Sicherheitsanweisungen zu erstellen und die Mitarbeiter im fachgerechten Umgang mit den gefährlichen Medien zu schulen.  

Allgemeine Sicherheitshinweise für die alltägliche Handhabung von Lithium-Ionen Akkus können vereinfacht in fünf Punkten zusammengefasst werden:

Thermische Belastungen vermeiden
Thermische Belastungen vermeiden
Kein Kontakt mit Feuchtigkeit
Kein Kontakt mit Feuchtigkeit
Nur geeignete Ladegeräte verwenden
Nur geeignete Ladegeräte verwenden
Umsicht bei Ladevorgängen
Umsicht bei Ladevorgängen
Beschädigungen vermeiden
Beschädigungen vermeiden

Thermische Belastungen können nicht nur Einfluss auf die Lebensdauer, sondern auch auf die Sicherheit von Lithium-Ionen Akkus haben. Setzen Sie die Energiespeicher nicht unmittelbar und dauerhaft hohen Temperaturen oder Wärmequellen aus. Dazu zählt auch direkte Sonneneinstrahlung. Auch längerfristige Kälteeinwirkung sollte vermieden werden, da diese bei Gebrauch eine Tiefentladung begünstigt. Werden tiefentladene Lithium-Energiespeicher anschliessend wieder an ein Ladegerät angeschlossen, kann es ebenfalls zum Brandfall kommen. Halten Sie sich daher an die vom Hersteller empfohlenen Betriebs- und Lagertemperaturen.

Der Kontakt mit Feuchtigkeit (z.B. durch Niederschlag, Kondens- oder Spritzwasser) kann zu einem Kurzschluss des Akkumulators führen. Daher sollten Sie Lithium-Energiespeicher stets trocken lagern und auch beim Transport sowie beim Gebrauch vor Feuchtigkeit schützen.

Eine der häufigsten Ursachen für Akku-Brände, vor allem auch im Privatbereich, ist die Nutzung von nicht kompatiblen Ladegeräten. Diese können z.B. eine höhere Spannung aufweisen als für den Akku benötigt und diesen dadurch zerstören. Verwenden Sie daher ausschliesslich Ladegeräte, die für den Gebrauch in Verbindung mit Ihrem Akku-Modell vorgesehen sind.

Neben der Nutzung falscher Ladegeräte existieren weitere Risiken beim Ladevorgang. Laden Sie Lithium-Akkus nicht über längere Zeit auf, wenn diese nicht benötigt werden. Auch brennbare Gegenstände in der Nähe sind keine gute Idee. Wenn möglich, legen Sie den Akku während des Ladevorgangs auf Beton- oder Fliesenböden. Möchten Sie Akkus anschliessend (ein-)lagern, empfiehlt sich ein Ladestand (SoC) von ca. 30%. Dadurch reduzieren Sie die Energiemenge, die im Ernstfall Schaden anrichten kann. Achtung: Ein gewisser Mindestladestand sollte immer vorhanden sein, um einer Tiefentladung vorzubeugen. Richten Sie sich hier nach den Herstellervorgaben.

Mechanische Beschädigungen können die Deformation von Zellen innerhalb des Akkus verursachen und zu inneren Kurzschlüssen führen. Tragen Sie daher Sorge, dass die Lithium-Energiespeicher keinen Stössen, Schlägen oder Kollisionen ausgesetzt werden. Falls doch einmal etwas passiert, sollten beschädigte Akkus auf keinen Fall mehr verwendet, sondern sofort entfernt, bis zur Entsorgung getrennt gelagert und ordnungsgemäss entsorgt werden. Vorsichtshalber sollten Sie auch die Pole beschädigter Akkus sichern, z.B. mittels Polkappen. Selbstverständlich sollten Lithium-Akkus auch nicht zerlegt, geöffnet oder zerkleinert werden.


Brandbekämpfung bei Lithium-Batteriebränden

Was tun, wenn es doch einmal zum Brandfall kommt? Brände von Lithium-Ionen Batterien gelten als sehr schwer zu bekämpfen. Löschversuche mit herkömmlichen inerten Mitteln sind meist erfolglos, da Lithium-Ionen Zellen den zum Brand benötigten Sauerstoff selbst erzeugen. Bei der Auswahl des geeigneten Löschmittels spielen die Grösse und Menge der Batterien, aber auch die betrieblichen Gegebenheiten eine Rolle. Generell gilt, die individuell im Betrieb vorhandenen Risiken und Gefahren abzuschätzen und in Zusammenarbeit mit Fachleuten und Sachversicherern ein geeignetes Lösch- und Brandschutzkonzept zu erarbeiten.

Löschen mit Wasser

Bezüglich des Einsatzes von Wasser als Löschmittel gibt es verschiedene Ansichten. Da Lithium sehr reaktionsfreudig ist, raten einige davon ab, es mit Wasser in Kontakt zu bringen. Neuere Untersuchungen legen jedoch nahe, dass grössere Mengen Wasser in der Lage sind, Lithium-Brände einzudämmen und wirksam zu bekämpfen. Als Erklärung werden hier u.a. der Kühleffekt genannt, der die Reaktion der Zellen verlangsamt. Dennoch stellen gerade grosse Batterien, zum Beispiel von brennenden Elektroautos, die Feuerwehren regelmässig vor eine enorme Herausforderung. Über den Aufbau einer Traktionsbatterie lässt sich das leicht erklären:

Wasserkühlung bei verschiedenen Traktionsbatterien

Grundlegend besteht eine grosse Traktionsbatterie aus vielen kleineren Zellen, die mit einander verbunden sind. Erhitzt sich eine einzelne Zelle – im schlimmsten Fall mitten im Modul – werden die benachbarten Zellen zwangsläufig auch erwärmt. So kommt es zu einer Kettenreaktion, die zu einer erheblich stärkeren Energiefreisetzung führt. Wurde die Kettenreaktion vom Zentrum der Batterie ausgelöst, ist es nahezu unmöglich, diesen mit einem Löschmittel wie z.B. Wasser zu erreichen und damit die Reaktion aufzuhalten oder einzudämmen. Versucht man nun, ein solches Modul zu kühlen, erreicht das Wasser lediglich die äusseren Schichten bzw. das Gehäuse der Batterien. Anders verhält es sich bei kleineren Modulen, bei denen weniger Zellen verwendet werden. Hier wirkt eine äussere Kühlung meist direkt auf die reagierenden Zellen ein.

Allerdings wird zur Brandbekämpfung eine deutlich höhere Wassermenge benötigt als bei konventionellen Bränden. Um den Erfolg zu beschleunigen und ggf. auch die benötigte Wassermenge zu reduzieren, können dem Löschwasser verschiedene Additive zugefügt werden. Bei einer Reaktion besteht ebenfalls die Gefahr, dass schädliche Stoffe wie Salz- oder Flusssäure aus dem Inneren der Zelle abgesondert werden. Diese können zum Beispiel in Form von Dämpfen auftreten und Menschen durch Hautkontakt oder Einatmen schädigen. Beim Löschvorgang können sie durch Löschwasser verdünnt werden, in den Boden sickern (falls keine geeignete Auffangvorrichtung vorhanden ist) und Umweltschäden verursachen.

Aerosol Löschtechnik

Eine weitere Möglichkeit des Einsatzes einer Löschtechnik für Lithium-Brände ist die Aerosol Löschtechnik. Dabei handelt es sich um eine ständig betriebsbereite technische Anlage, die zur Brandunterdrückung eingesetzt wird, bis die Feuerwehr eintrifft, um den Brand endgültig zu löschen. Die Löschtechnik funktioniert gemäss EN 15276-10 ohne Wasserzusatz. Der Löschgenerator unterbricht bei steigender Temperatur den chemischen Verbrennungsprozess effektiv innerhalb von 4,5 bis 15 Sekunden (je nach Modell). Diese Technologie ist umweltfreundlich und humanverträglich (nicht gesundheitsschädigend, nicht sauerstoffverdrängend) und ist u.a. als offizielles "HALON-Ersatzlöschmittel" bei der United States Environmental Protection Agency (U.S.EPA) gelistet. Aufgrund des geringen Gewichtes/Einbauvolumens und der Tatsache, dass keine Verrohrung notwendig ist, ist eine einfache und schnelle Installation möglich. Auch die Investitions- und Folgekosten bleiben gering, da die Aerosol-Löschtechnik wartungsfrei ist und eine lange Produktlebenszeit innehat.

Löschgranulate

Löschgranulate isolieren die Batterie thermisch. Die Lösch- bzw. Isolationswirkung ist sofort aktiv und funktioniert komplett autark. Voraussetzung ist jedoch, dass die Batterien von ausreichend Granulat umgeben sind. Mit dem speziellen Löschgranulat PyroBubbles® gelingt die Bekämpfung von Entstehungsbränden – geprüft nach DIN EN 3-7 von der MPA Dresden für Brände der Klassen A, B, D und F.

PyroBubbles® bestehen zum Grossteil aus Siliziumoxid mit einer durchschnittlichen Korngrösse von 0,5 bis 5 mm. Ab einer Temperatur von ca. 1050°C beginnen sie zu schmelzen und bilden eine geschlossene und thermisch isolierende Schicht um den Brandherd. PyroBubbles® sind ganz universell einsetzbar: Sie eignen sich nicht nur als Löschmittel zum Bekämpfen von Bränden kompakter Energiespeicher, sondern auch präventiv als Füllmittel zur Lagerung und zum Transport. Passende Transport- und Lagerboxen mit UN-Zulassung sind aus Metall und Kunststoff erhältlich.

 

 

Pyrobubbles

Diese Lösungen bietet DENIOS

Technische Raumsysteme: Massgeschneidert und kundenindividuell realisiert

Das Gefahrenpotenzial von Lithium-Energiespeichern stellt besondere Herausforderungen an Lagersysteme. Hier bieten wir Ihnen Sicherheitsräume, die speziell für diese Zwecke ausgelegt sind. Neben der Gewährleistung von 90-minütigem Brandschutz von innen und aussen können die Systeme mit zahlreichen Sicherheitsausstattungen versehen werden: Dazu gehören Druckentlastungsflächen im Dachbereich, technische Lüftungen, Raumüberwachungssysteme (z.B. Gasdetektion, Temperaturüberwachung oder Brandfrühsterkennung), integrierte Auffangwannen für optimale Sicherheit im Havariefall oder integrierte Löschanlagen. Wenn Sie Lithium-Ionen Akkus testen wollen, konstruieren wir Ihnen dafür die passende, sichere Umgebung. Testräume können beispielsweise als Klimakammer realisiert werden, die das Testen der Energiespeicher innerhalb verschiedener Temperaturbereiche ermöglicht.


Die neue Generation der Sicherheitsschränke mit beidseitiger Feuerbeständigkeit

Auch für Kleinstmengen an Lithium-Akkus kleinerer bis mittlerer Leistung ist ein wirksames Sicherheitskonzept für die Lagerung und das Laden vorzusehen. Aus diesem Grund haben wir eine neue Generation von Sicherheitsschränken entwickelt – mit 90 Minuten Feuerbeständigkeit von innen und aussen. Neben dem beidseitigen Brandschutz haben wir unsere Lithium-Ionen-Schränke mit Ausstattungskomponenten versehen, die speziell auf die Lagerung und das Laden von Lithium-Akkus ausgelegt sind. So verfügen die Lithium-Ionen-Schränke je nach Modell über ein zusätzliches Sicherheitssystem zur Brandunterdrückung sowie hochwertige Überwachungstechnik, die den Einsatz für das überwachte Laden von Akkus und als Quarantänelager von kritischen Energiespeichern ermöglichen.


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